Mittwoch, Dezember 06, 2006

Vendetta oder Verschwörung?
Darüber streiten sich die Gespenster, äh Geister. Jürgen Elsässer meint, ich führe eine „kleine Vendetta“ gegen ihn. Die junge Welt sieht dagegen dunkle Mächte am Werk. Das begann wohl, so erklärt man dort, mit dem Spiegel, der „das große Halali eröffnete“, dann „eröffneten die Heckenschützen erneut das Feuer“ auf die flüchtenden Nationalbolschewisten. Doch wegen „ihrer Schwäche“ konnten diese nicht näher bezeichneten Kräfte (wahrscheinlich ich und mein Mossad) ihre „Attacken“ nur noch in dem „Szene-Organ Jungle World“ ausüben. So weit ein gewisser Markus Bernhardt. Da sieht man es mal wieder: Leg dich nie mit Verschwörungstheoretikern an, sonst bist du gleich selbst Teil der Verschwörung…

Na gut, lassen wir den irren Verschwörungs-Dünnpfiff aus der Kanalisation mal beiseite und beschäftigen uns lieber mit Jürgen Elsässers „Vendetta“-Theorie. Das klingt doch viel interessanter!

Eine solche sizilianische Blutrache soll ich also angeblich gegen Jürgen Elsässer hegen. Das kann man auf diesem neuen Blog aus dem Space des Neuen Deutschlands erfahren, oder auch in vollem Wortlaut hier.

Hmm… Zugegeben, ich bin ein großer Sizilien-Fan. Aber Blutrache? Eigentlich gar nicht mein Ding. Ich bin ein extrem wenig nachtragender Mensch, schon allein weil ich so vergesslich bin - und noch dazu Rheinländer. Um bei mir Rachegelüste zu wecken, müsste da schon eine sehr große persönliche Enttäuschung im Spiel sein. Das kann ich hinsichtlich Jürgen Elsässer nicht sagen. Ich habe nie persönlich Streit mit ihm gehabt, in den schweren Stunden des Putsches bei der jungen Welt 1997 hat er sich politisch wie menschlich absolut korrekt und angenehm verhalten und war auf der richtigen Seite. Ich habe ihn immer für einen schrägen Vogel gehalten, aber ich mag schräge Vögel. Ich habe mit ihm auch damals politisch immer über Kreuz gelegen, aber das stets als fruchtbar erlebt. Nur irgendwann ist einfach mal Schluss mit persönlicher Rücksichtnahme, wenn es politisch dermaßen crazy und gefährlich wird, wie derzeit bei Jürgen Elsässer. Es ist eine rein politische Auseinandersetzung, von einer Vendetta nicht die Spur, und Blutfließen soll da bitte auch nicht. Selbst, dass Jürgen Elsässer wegen meines Artikels offenbar Ärger bei seinem Arbeitgeber der Linksfraktion bekam, weshalb er diese Stellungnahme abgab, war, ich schwöre, nicht beabsichtigt und tut mir leid. Denn das Problem in der Linksfraktion heißt ja nicht Elsässer, sondern Lafontaine und Maurer und Dehm, und die brauchen keinen Ärger zu fürchten, weil die Linkspartei die wirklich anstehenden politischen Debatten gar nicht führt, weil sie weiß, dass ihr sonst der Laden um die Ohren fliegt.

Man kann mir vorhalten, den Clinch von 1997 bei der jungen Welt etwas überzubewerten. Möglich. Ich habe damals 14 Nächte auf einer Iso-Matte auf dem Fußboden in der Redaktion geschlafen. Da bleibt vielleicht was zurück. Aber Vendetta… Selbst die politische publizistische Auseinandersetzung mit Werner Pirker, der damals zur Gegenseite gehörte, hat nichts mit einer Vendetta zu tun. Den Kerl konnte ich schon damals nicht leiden, weswegen ich auch nicht persönlich enttäuscht werden konnte.

Elsässer legt in seiner Stellungnahme vor allem Wert darauf, dass er nicht gewusst habe, dass es sich bei Le Choc du mois um ein Fascho-Blatt handelte, als er ihm ein Interview gewährte. „Erschlichen“ habe sich das Blatt das Interview. Mag sein. Keine Ahnung. Kann ja passieren, dass man mal ausgetrickst wird. Ich will ihm das gerne zugestehen. Ich habe ja auch nur geschrieben, dass sein Interview dort neben einem Interview mit Le Pen erschien. Ich denke allerdings, dass Elsässer sich deshalb „austricksen“ ließ, weil ihm die Parameter für eine Bewertung der Zeitung als Nazi-Blatt fehlen. Im Grunde wird dort ein antizionistischer, antiamerikanischer, verschwörungstheoretischer Antiimperialismus vertreten, wie es Elsässer auch tut. Da es sich beim Herausgeber und Chefredakteur um ausgemachte Faschisten handelt, sollte Elsässer vielleicht eher darüber nachdenken, wieso die inhaltliche Schnittmenge zwischen ihm und denen so enorm ist, als darüber, wie es passieren konnte, dass man ihn austrickste.

Auch die Schweizer Zeitschrift Zeit-Fragen, die seine Texte veröffentlicht und mit der er zusammen Lesereisen organisiert, sei “kein rechtes und schon gar kein rechtsradikales Blatt”. Dass sie mit der offiziell aufgelösten rechten Politsekte „Verein zur Förderung der Psychologischen Menschenkenntnis“ in Zusammenhang stehen soll, erwähnt er nicht, aber gut, dass kann ich nun auch nicht beweisen. Aber geschenkt. Ich bin kein Antifa-Recherche-Fritze, mir geht es um Inhalte. Bezeichnend ist Elsässers Rechtfertigung: „Rechtsradikale und rechte Autoren gibt es in diesem Blatt ebenso wenig wie rechtsradikale oder rechte Themen, wie sich unschwer im Archiv auf www.zeit-fragen.ch ersehen lässt.“ Tatsächlich zeigt ein Blick in dieses Archiv, um was für ein aggressiv antiisraelisches Produkt es sich da handelt. Ersehen ist eben nicht das selbe wie erkennen.

Nun ja. Der Krampf geht weiter. Heute, Mittwoch, kündigte die junge Welt an, dass morgen, also am Donnerstag, ein Briefwechsel zwischen Elsässer und Petra Pau in der Zeitung erscheinen sollte und - darauf warte ich besonders gespannt - eine Stellungnahme der Kommunistischen Plattform. In der gerade online erschienenen Donnerstagsausgabe finde ich allerdings nichts dergleichen. Was ist passiert? Hat die Verschwörung des zionistischen Medienkartells nun sogar die junge Welt erfasst? Nein, nein, das kommt sicher alles noch, beruhigen mich gerade meine Hintermänner mit ihrem gewohnt angenehm schnurrenden hebräischen Akzent...

5 Comments:

At 12:08 vorm., Blogger Albrecht said...

„Stellungnahme zum Artikel von Ivo Bozic in „Jungle World“, 22.11.2006

[...]

2. Beiträge in „Zeit-Fragen“

Die schweizerische Wochenzeitung ist kein rechtes und schon gar kein rechtsradikales Blatt. Sie tritt für Frieden, Menschenrechte, die Wahrung des Völkerrechts und – eine eidgenössische Spezialität – für die Neutralität des Landes ein. Rechtsradikale und rechte Autoren gibt es in diesem Blatt ebenso wenig wie rechtsradikale oder rechte Themen, wie sich unschwer im Archiv auf www.zeit-fragen.ch ersehen lässt. Dafür schreiben regelmässig linke Autoren wie Michel Chossudovski, Rainer Rupp, Jürgen Rose.

http://www.berlinerumschau.com/index.php?set_language=de&cccpage=27112006ArtikelDokumentationen


Äh. Zeit-Fragen in der Wikipedia:

"Ein bekannter Feuilletonist und Interviewpartner der Zeitung ist der stuttgarter Sozialphilosoph Günter Rohrmoser."
http://de.wikipedia.org/wiki/Zeit-Fragen

Rohrmoser? Wer ist Rohrmoser???? Nie gehört, Elsässer? Hmm ...


Aktuelle Ausgabe "Zeit-Fragen":

===========================================================================
Appell an intellektuelle Redlichkeit im Diskurs über den Nahen Osten
N. Finkelstein: «Beyond Chutzpah. On the Misuse of Anti-Semitism and the Abuse of History»
von Prof. Dr. Alfred de Zayas, Genf*
===========================================================================
http://www.zeit-fragen.ch/ausgaben/2006/nr49-vom-4122006/appell-an-intellektuelle-redlichkeit-im-diskurs-ueber-den-nahen-osten/

de Zayas? Wer ist de Zayas???? Nie gehört, Elsässer? Hmm ...

===========================================================================
Der Rezensent ist [...] Autor des Buches «Die Nemesis von Potsdam» (Herbig 2005) [...].
===========================================================================

Voller Titel des Buches:
Die Nemesis von Potsdam. Die Anglo-Amerikaner und die Vertreibung der Deutschen, 2005, 14. erweiterte Ausgabe, Herbig, München.

===========================================================================
In seinen zahlreichen Veröffentlichungen zum Zweiten Weltkrieg kritisiert er Handlungen der Alliierten und greift vor allem die Sowjetische und Amerikanische Armee wegen vermuteter Kriegsverbrechen an.
===========================================================================
http://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_de_Zayas

===========================================================================
Zu den prominenten Verteidigern der Danubia gegenüber dem Verfassungsschutz gehören der ehemalige Berater des Innenministeriums Hans-Helmuth Knütter, der Historiker Ernst Nolte und der Sekretär des UNO-Menschenrechtsausschusses Alfred de Zayas.
===========================================================================
http://de.wikipedia.org/wiki/Burschenschaft_Danubia_München

===========================================================================
Referentenliste der Burschenschaft Danubia München

Im Rahmen von Burschenschaftlichen Abenden und Bogenhausener Gesprächen diskutierten wir auf unserem Hause in den letzten Jahren u.a. mit:

[...]

Prof. Dr. Dr. Alfred de Zayas (Völkerrechtler)
===========================================================================
http://www.brandserver.de/danubia/archiv.php


usw. usf.


Ach, Elsässer ...

 
At 12:39 vorm., Blogger orcival said...

ich denke auch die dokumentation der konkreten umtriebe des jürgen e. interessieren eigentlich nur insofern, als sie zeichen einer unzureichenden abgrenzung bis schweigenden oder offenen teilung der ziele mit dezidiert rechten gruppierungen geht.

das als vendetta zu bezeichenn heisst einfach, auch nicht zu sehen, dass die fehler polistische sind. aber das sagtest du ja schon.
eigentlich überflüssig mein kommentar, aber ich hab mich nach der stellungnahme von elsässer auch zu sehr geärgert.

wenn politische auseinandersetzungen derart personalisiert werden, muss da auch eine grenze gezogen werden.

 
At 4:08 nachm., Blogger Julius Firefly said...

Ich denke allerdings, dass Elsässer sich deshalb „austricksen“ ließ, weil ihm die Parameter für eine Bewertung der Zeitung als Nazi-Blatt fehlen. Im Grunde wird dort ein antizionistischer, antiamerikanischer, verschwörungstheoretischer Antiimperialismus vertreten, wie es Elsässer auch tut.
QFT. Danke für des Pudels Kern.

Wie schade, daß ich mich unter dem elsässerschen Radar bewege. Vendettere schließlich schon länger mit ;)

 
At 10:23 nachm., Blogger Ivo Bozic said...

außerdem habe ich mir inzwischen den dazugehörigen film mal angeschaut, und muss sagen, der isn scheiß....

 
At 7:29 nachm., Blogger msh said...

Elsässer weiss sehr gut, wer sich hinter den "Zeit-Fragen" verbirgt - man recherchiere etwa "VPM" und "Holger Reile", letzterer ein bekannter Journalist und Kenner der Polit-Psycho-Sektenszene.

 

Kommentar veröffentlichen

<< Home