Donnerstag, Mai 22, 2008

Hinter'm Tellerrand geht's weiter
Wenn es mal nicht um Hartz IV geht. Die Linkspartei und die Außenpolitik.

Es gibt Linke, die sitzen morgens Tofu kauend an ihren WG-Tischen zusammen, arbeiten nachmittags in der Siebdruckwerkstatt und gehen abends zur Veranstaltung »Das Prekariat zwischen Popfeminismus und Gentrifizierung«. Einen Anzug haben sie nicht und auch kein Cocktailkleid, niemand siezt sie oder gewährt ihnen Kredit. Wer hingegen in der DDR als Sozialist beschäftigt war, war nicht so jemand. Der war Angehöriger des Staatsapparats und wurde auch als solcher behandelt.

Auch dies ist sicher ein Reiz für Westlinke, bei der SED-Nachnachnachfolgepartei »Die Linke« mitzumachen. Schnell schafft man es zum Abgeordnetenmandat, und bald folgt auch die erste offizielle Einladung. Zum Beispiel nach Caracas: »Als die Präsidentenmaschine landete, wartete die Helikopter-Staffel bereits auf dem Flugfeld«, und zwar nur, um Nele Hirsch, 28jährige Bundestagsabgeordnete der Linkspartei, direkt in die Arme des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez zu geleiten, der sie in seine Fernsehsendung »Aló Presidente« eingeladen hatte.

Wenn einem solch eine Würde zuteil wird, fliegt man gerne mal eben um die halbe Welt, zumal mit der Präsidentenmaschine, quasi der Air Force One des neuen Sozialismus. Stolz, geschmeichelt, mit geschwellter Brust berichtet, nein, verkündet ergeben die Zeitung der Bundestagsfraktion von dieser Reise, dieser Pilgerfahrt, dieser unsagbaren Ehre, vom neuen Máximo líder persönlich empfangen worden zu sein. »Wir warteten in cremefarbenen Sesseln in einem Salon«, dann durchqueren sie »die Präsidentenkabine, dessen weißes Ledermobiliar mit venezolanischen Wappen bestickt ist«.... (weiter gehts in der Jungle World)

1 Comments:

At 1:27 nachm., Blogger Rap City Berlin said...

sehr wahre worte!

 

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