Samstag, April 19, 2008

Spargelkrieg, it's D-Day, Baby
Es war ja klar, eines Tages musste es zur Spaltung kommen, aber ich habe gute Erfahrungen mit Spaltungen gemacht, ich werde mich nicht aufhalten lassen. Wer dem anämischen Spargel folgen will, nur zu, ich ziehe meines Weges, notfalls auch alleine.

Der deutsche Blog-Mob ist sich nämlich fast vollständig mit dem Durchschnittsgermanen einig: Spargel – tolle Sache. Die Genossen, oder muss man Kameraden sagen?, jedenfalls diese Spargeltarzans, sehen durch meine kritische Anmerkung wie es zu erwarten war ihr idyllisches Weltbild bedroht. Klar. Wer das heiligste deutsche Kulturgut, die Fahnenstange der Leitkultur, beleidigt, wird fertig gemacht. Meine Abschiebung ist vermutlich schon beantragt. Jedes Mittel ist da recht: Gen-Rassismus, Jihadismus-Vorwurf, Auschwitz-Keule. Aber bitte, nur zu, ihr Vasallen der Provinz-Agrar-Lobby, haut mit euren zähen Spargelstangen auf mich ein, so beweist ihr nur, wofür diese ledernen Schlagstöcke eigentlich gedacht sind.

Dabei war ich in meiner kleinen Gourmetkritik gar nicht politisch geworden. Aber wenn ihr wollt, dann immer gern. Ich hätte verschwiegen, dass der Spargel auch in anderen Ländern vorkomme, erklären die Spargel-Groupies gekränkt, eigentlich sei der Spargel ein kosmopolitisches Gewächs. Hahaha. Nun, tatsächlich hat der deutsche Landser bei seinen Ausflügen in die Welt auch immer ein paar dieser weißen Riemen dabei gehabt und in Frankreich den „Rommel-Spargel“ populär gemacht - populär bei den Deutschen.

Aber der Linksdeutsche wähnt sich dennoch weltläufig, wenn er in alter Gewohnheit dem widerspenstigen Spargel die Köpfe abschneidet und ihm dabei für seine Außergewöhnlichkeit dankt, nein, anbetet. Doch seht, was die Welt über Deutsche und ihren Spargel-Wahn denkt:

“I live in Nienburg, we are surrounded by 'Spargel'. I can't see why it's such a mega-event. I suppose it's just a traditional thing.“

“Never know why the Germans go barmey over this Spargel stuff! OK I love it when its served up with a big lovely schnitzel, but thats what I look forward to! not that white tastes of nix sticks!”

“aspargus is disgusting. fact. anyone who likes it should go see a shrink!”

“I can´t understand why they make such a big thing of Asparagus. Personally I hate it,and inwardly smile as I watch the punters running around trying to get a reservation to eat it. It seems very much a German character trait to do something just because it is currently "in" (weil man das so macht).”

“I almost have to laugh when I see how crazy the Germans are for this anaemic looking vegeatable, and for 2 weeks its about the only thing you can get to eat in the cantine.”

“Ha damn Spargelzeit, Germans almost creaming themselves last Sat morning at Viktualienmarkt to get the perfect bunch of anaemic veg. Personally I think it's absolutely tasteless, people rant about it so much but it's the sauces that are helping it!!”

Oder auch diese schöne Geschichte:

“While I was teaching English there, I had a student named Evelyn in a one-on-one conversation class who had no interests. No, hobbies, no friends ("friends are for wimps," she often quipped), very little interest in current affairs or anything that could sustain 90 minutes of small talk. Getting her to speak at all was next to impossible. I tried everything to no avail, and ended up engaging in nervous, repetitive monologues about Canada to survive the two hours we were forced to spend together each week.
This went on for about six months, and then April arrived. Asparagus season began, I asked the right question (Something as desperate as, "So tell me Evelyn, what’s your favorite vegetable?"), and suddenly the floodgates of conversation burst open. Evelyn was a woman transformed. Her otherwise sullen eyes sparkled as she described a farm just south of Hamburg where one could buy what she considered to be the best asparagus in the land. For four consecutive weeks, she told stories of asparagus seasons past and reminisced about the cream of asparagus only her mother could make, the recipe for which she had regrettably taken to the grave.
And then the season ended, and Evelyn’s newfound conversational skills disappeared as quickly as they had emerged.
(…) The only way to avoid making enemies during asparagus season, I’ve found, is to grin, agree that it’s delightful, and inconspicuously hide the soggy white sticks under my napkin.

Da seht ihrs: Wenn Nichtdeutsche den Spargel loben, dann nur aus dem Grund, weil sie Angst vor der Rache des deutschen Mobs haben. Und das zu Recht. Heute verfassen sie noch in linksdeutscher Manier Petitionen, hängen Fahndungsplakate auf und fordern Umerziehungslager, morgen schon stehen sie mit FaKKKeln oder Spargelstangen schwingend vor deinem Haus. Wer sich der Totalität des Spargel-Terrors entziehen möchte, der darf das, nur sein Maul halten soll er gefälligst. Wer sich nicht dienerisch bekennen mag zum Spargel, der hat in Deutschland nichts verloren.

Deshalb: Links ist dort, wo kein Spargel ist. Nie wieder Spargel!
Ob grün, ob weiß, der selbe Scheiß!

Übrigens müsste es Sprgl ohne „a“ heißen, das trifft den Gegenstand, um den es geht, noch besser. Der ist so sprgl der Sprgl, einfach sprrrglich.

3 Comments:

At 3:37 nachm., Blogger curry said...

Nie...Nie...Nie wieder Spargelsuppe!!!
Deutschen Gemüse den Boden entziehen!!!

 
At 8:17 nachm., Blogger hegelxx said...

Lieber Ivo,

der "Blog-Mob" ist doch halbwegs amüsant... was fordern die:

"Wir haben uns zusammengeschlossen, weil wir diese unerträglichen Zustände im Hause Bozic nicht mehr länger schweigend hinnehmen wollen. Resignieren heißt Akzeptieren! Deswegen gehen wir in die Offensive und fordern:

- Grundkurs Kulinarik in der Volkshochschule Friedrichshain-Kreuzberg für den Revisionisten Bozic

- Anschaffung eines Umluftofens für die Redaktionsräume der Jungle World

- 3tägiges kulinaria katastrophalia-Seminar in Beelitz für Bozic"

hehe...

Daß ich im erweiterten Rahmen dieser ganzen Spargelschlacht auch noch erfahren durfte, daß Sir Arthur "Bomber" Harris in dem NRW Grenz- und Spargelkaff Walbeck (das liegt wahrlich nur wenige Kilometer vom Altbierkaff Issum und dort durfte ich mich als 11 jähriger ein Jahr lang mit den Bauernsöhnen herumprügeln), gar im auch heute noch überregional bekannten "Spargelhaus Deckers" nicht als Bombe, sondern persönlich erschienen ist, und noch nicht mal bedient wurde (ist eh überteuert, der Laden), das läßt mich allerdings deiner Interpretation der german asparagus affair zugeneigt sein...

:-D

 
At 10:04 nachm., Blogger schalkerine said...

Ich hör nur noch Spargel, Spargel, Spargel... und was sachste zu Schalke? Da sachste gar nischt mehr zu...

 

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