Donnerstag, April 17, 2008

Der feine Herr Spargel
Die Spargel-Zeit steht vor der Tür. So oder so ähnlich lauten die Überschriften von so ungefähr 20.000 Pressemitteilungen, die derzeit offenbar quer durch die Republik verschickt werden. Spargel, oha, aha, was ganz Feines, was Besonderes, tolle Sache, soll uns suggeriert werden. Von prä-urbanen Lobby-Gruppen gehypt, von Hartz-4-Sklaven und Billig-Polen geerntet, kommt er als Edel-Gemüse daher, der Herr Spargel, klar ist er männlich, sehr männlich sogar, dieses phallische urgermanische Bleichgesicht, macht einen auf Wichtig, höhö, seht her, wie toll ich bin, und so weiter. Leute treffen sich zum Spargel-Essen; aus Brandenburg hat ihn jemand mitgebracht, ganz „frisch“ natürlich, den Spargel, viel Geld dafür hingelegt, ist ja was ganz Delikates, dieser feine Herr Spargel.

Von wegen! Ich sag euch, was der Spargel ist: Ein Spargeltarzan des Gemüses. Nein, noch nicht einmal ein Gemüse, eine Sprosse, eher eine Wurzel, eine Stange, blass und fad, holzig, sehnig, Sonne kennt er nicht, Sonne braucht er nicht, nicht mal vernünftiges Erdreich. Da wo sonst, von ein paar sauer eingelegten Gurken abgesehen, nix wächst, in der national befreiten märkischen Sandwüste, die uns die letzte Eiszeit hinterlassen hat, wo keine Sonne hinkommt, und keine Mineralien den kargen Boden belasten – da züchtet man in staubigen Sandhaufen unter Plastik-, nein Plastefolien dieses fahle Gewächs, das von unserem Verdauungssystem mit Recht höchst skeptisch behandelt wird. Brandenburger Landeier werden zu Spargelköniginnen gekürt, denn Weinköniginnen kann man leider nicht küren, da für ein hochwertiges Produkt wie Wein die klimatischen Verhältnisse hier nun mal nicht ausreichen. Wer nichts hat, hat immerhin noch Spargel. Deutschland hat Spargel. So siehts aus.

Dem Umsatz nach ist Spargel das wichtigste Gemüse im deutschen Anbau, und das sagt ja wohl alles über die Qualität deutscher Landwirtschaft aus! Andere Länder haben saftige Tomaten, knackige Paprika, raffinierte Artischocken – in Deutschland gräbt man zähe Stöcke aus dem Boden und verspeist sie. Nun, gesund soll er sein, der Spargel, irgendwie, doch wer den morbiden Gestank des Post-Spargel-Urins kennt, der mag das nicht ernsthaft glauben. Geruch, Aroma, ja vermutlich sogar Geschmack, das alles erhält der Spargel erst, nachdem er den Menschen wieder verlassen hat. Dahin, wo er eigentlich von Anfang an hingehört, statt auf den Teller.

Deshalb, knallhart und schonungslos: Nein, ich möchte nicht zum Spargel-Essen eingeladen werden! Nein, nein, nein! Ich hab auch gar keine Zeit, ich bin mit der Avocado-Königin verabredet.

2 Comments:

At 6:42 nachm., Blogger timon said...

Ich habe ja alles mitgemacht: Als du die Linken Nazis schimpftest, der Nahe Osten mit Bomben befriedet werden sollte oder obskure Musiker gehypt wurden - ich stand an deiner Seite.
Dieses Mal allerdings bist du zu weit gegangen. Definitiv.

 
At 11:42 vorm., Blogger Learnmore Disa said...

Moment mal. Der Spargel ist ein undeutsches Gemüse, das genaue Gegenteil von Hausmannskost: substanzlos, hat weniger Nährstoffe als die gleiche Menge an Jungle-World-Papier, bedient nur die Geschmacksnerven, nicht aber die Arbeitskraft. Deswegen haben die Nazis auch den Anbau verboten, auch weil, wie ich denke, die häufigen Pinkelpausen (Entwässerung) nach dem Verzehr einen Angriffskrieg unmöglich gemacht hätten. Übrigens wurde der Spargel von den Hugenotten nach Berlin gebracht: ein Einwanderer!

 

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