Dienstag, Juli 04, 2006

Uncle Rooneys Welt
Die Geschichte könnte aus dem Handbuch der Kommunikationsguerilla stammen. Der Bremer Literaturwissenschaftler Dr. Martin Rooney hat im medialen Wahnsinn rund um die WM einen echten Coup gelandet. Nachdem er sich im Mai gegenüber Radio Bremen als ein Onkel des englischen Fußballstars Wayne Rooney ausgegeben und - übrigens sehr kenntnisreich - Fußballfragen über das englische Team beantwortet hatte, hatten weitere Medien Interviews mit und Storys über Rooneys Onkel gebracht, darunter das Fußballmagazin Rund, Spiegel-Online, die ARD-Tagesthemen, die Hamburger Morgenpost, der Weserkurier - ja und nicht zuletzt auch die Jungle World.

Dass sich die anderen Medien so derart für Martin Rooney interessierten, nur weil er ein Onkel von Wayne sein soll, habe ich ohnehin nicht ganz verstanden, aber gut, warum auch nicht. Es ist WM, da wird halt jede noch so kleine Story gerne genommen, und die Interviews mit ihm in Rund oder die Story in der ARD waren ja auch hübsch. Deshalb allein hätte ich ihn allerdings nicht interviewt. Mich hatte der Mann deshalb interessiert, weil er ein angesehener Wissenschaftler ist, der sich jahrzehntelang sehr verdienstvoll mit der Aufarbeitung des Völkermords an den Armeniern beschäftigt und die Biografie Armin T. Wegeners verfasst hat, und im Jahr 2003 einen Friedenspreis zugesprochen und wieder aberkannt bekam, weil er völlig zu Recht den Antiamerikanismus und die fehlende Reflexion des Saddam-Hussein-Regimes in der Friedensbewegung kritisiert hatte.

Nachdem nun erst englische und dann deutsche Medien aufdeckten, dass hier ein falscher Onkel am Werk war, sprach ich mit Martin Rooney. Nein, eine direkte verwandtschaftliche Beziehung zu Wayne Rooney gebe es vermutlich nicht, ganz ausschließen könne er aber nicht, dass es über seinen Vater irgendeine Verbindung zu der Familie gebe. Er selbst wolle dem jetzt einmal nachgehen. Er habe die Sache zunächst nur als „Injoke“ für sich und seine Freunde inszeniert, und sie hätten sich auch alle bestens amüsiert. Von dem enormen Medieninteresse sei er dann selbst überrascht und wohl auch etwas überrollt worden. Aber bereuen tut er seinen kleinen Mediencoup nicht. Mit dem Hinweis auf das Wembleyfinale 1966 erklärte er süffisant: „Es hieß nun in britischen Zeitungen, die deutschen Medien hätten mit dieser Sache ein Eigentor geschossen. Dazu sage ich nur: Aber diesmal war der Ball 100 Prozent über der Linie.“

Die Aufregung um seinen „kleinen Scherz“ versteht er nicht. Bei der letzten Pressekonferenz des englischen Teams vor dem Spiel gegen Portugal habe ein Reporter Wayne Rooney nach seinem angeblichen Onkel in Bremen, Germany, gefragt, erzählte mir Martin Rooney, und fügte verschmitzt hinzu: „Aber keiner hat ihn gefragt, ob sie auch fleißig Elfmeterschießen geübt haben.“ Martin Rooney betonte: „Ich habe niemanden bloß gestellt und keinen Cent daran verdient.“ Und in der Tat, das hat er nicht. Und außerdem, versicherte er, sei alles, was er mir erzählt habe, und was schließlich in der Jungle World stand, außer der Sache mit Wayne, absolut wahr, auch, was er über seine Familie erzählt habe. Es ist halt nur nicht die von Wayne…

Hätte ich gewusst, es gibt einen Namensvetter Wayne Rooneys mit dieser Biografie und diesen Ansichten zu deutscher Vergangenheitsbewältigung, dem Luftkrieg, dem virulenten Antiamerikanismus usw., hätte ich vermutlich fast dasselbe Interview mit ihm geführt. Das Verwandtschaftsverhältnis war nur der - scheinbar perfekte - Aufhänger der Geschichte - der stellte sich nun als bester britischer Humor heraus.

Die Aufregung um seinen Gag geht jetzt so weit, dass die London Times die Story in Zusammenhang mit den gefälschten Hitler-Tagebüchern bringt. Das ist absurd. Natürlich ärgert es einen Journalisten, reingelegt worden zu sein, andererseits gibt es auch keinen Grund, über eine solch großartige Verarsche nicht zu lachen. Wer diesen Humor nicht aufbringt, muss ein Deutscher sein. Viele Leute haben versucht, bei dieser WM etwas Leben in die gnadenlos homogene Balla-Balla-Berichterstattung zu bringen, niemandem ist es so gut gelungen wie Martin Rooney. Respect!

Hier ein paar Hyperlinks zu der Sache: Süddeutsche Zeitung, Times, Mirror, Independent, Rheinische Post. Und neu: Interview in der Netzzeitung.

Nachtrag:
- Ach so, das auf dem Foto soll, so behaupten verschiedene Medien, die Freundin von Wayne Rooney sein, aber vielleicht ist es auch nur eine Anglizistik-Professorin aus Marburg oder Freiburg, überprüft habe ich das nicht, Herr Leyendecker, über nehmen Sie!

11 Comments:

At 12:58 vorm., Blogger hohngelächter said...

Tja Bozic, der DEPP in dieser Geschichte bleibst du trotzdem. Da steht immer noch das Desert Rats-Ding und die Lancaster-Bombe, die nicht gegen deutsche Großstädte eingesetzt wurde sondern gegen Talsperren, aber das hast Du wohl immer noch nicht geschnallt, Du Idiot.

 
At 7:05 nachm., Blogger dora said...

Also, kann man diesen blöden Typen nicht mal raussetzen? Diese Aggro-schaut-doch-mal-auf-mich-Schreibe ist sehr unangenehm! Muss man sich da so beleidigen lassen?
Verbringe einfach mehr Zeit im Offline-Leben u bin daher mit den hiesigen Umgangsformen nicht so vertraut...
Also Ivo, weiter so! u gute nerven! Ich guck gern hier vorbei! Sollte mir vielleicht einfach die Kommentarleiste sparen...

 
At 1:56 vorm., Blogger Ivo Bozic said...

@dora. merci! ich fürchte, jedes blog hat so seine pausenclowns/nerds, warum ich sone meganull abbekommen hab, weiß ich auch nich... aber was solls?! das wirkliche leben findet ja tatsächlich offline statt...

 
At 3:00 vorm., Blogger hegelxx said...

offline träumt Mann ja auch von WAGS statt von WASG. Manchmal klappt das ja, in echt.

Soll vorkommen. Denn wer will schon WASG.

 
At 2:01 nachm., Blogger Ingo said...

Beschäftigt sich eine Anglizistik-Professorin mit Anglizismen? :-)

 
At 2:19 nachm., Blogger svsodingen said...

Stell dir vor, in Sachsen-Anhalt verbrennen sie Bücher…
Von Stefan Bruhn | 5. Juli 2006 | 20:33


und niemanden interessiert es. So geschehen im sachsen-anhaltinischen Pretzien. Das heikle an der Sache: Es handelte sich um eine Ausgabe des „Tagebuch der Anne Frank“. Der PDS-Bürgermeister wohnte dem Treiben bei und unternahm nichts.


Es geschah vor gut zwei Wochen, am 24. Juni. Das Dorf Pretzien an der Elbe beging die Mittsommernacht mit „Tanz und kulturellem Programm“. Zu dem kulturellen Treiben gehörte auch ein Sonnenwendfeuer, dessen Flammen eine amerikanische Flagge geopfert wurde. Später kam dann ein Vollidiot auf die Idee, doch alles zu verbrennen, was verbrennenswürdig sei. Was macht sich da besser als Papier? Lesen können vermutlich eh die wenigsten der Teilnehmer und ihre großen Vorbilder haben es ja schließlich auch getan. Also schnappte sich einer ein Buch und sagte deutlich hörbar: „Ich übergebe dem Feuer Anne Frank“. Anschließend ging das „Tagebuch der Anne Frank“ in Flammen auf. Die Menge war amüsiert.

Zur Menge gehörte auch Friedrich Harwig, 66 Jahre als, PDS-Mitglied und Bürgermeister des 900-Seelen Ortes. Eingeschritten ist er nicht. Warum auch, es handelte sich ja um seine Vereinskameraden vom Heimatbund Ostelbien. Einem wegen rechtsextremer Umtriebe unter Beobachtung des Verfassungsschutzes stehenden Verein, dessen großer Gönner der Bürgermeister Pretziens ist. Eine Hand wäscht die andere, die Rechtsextremen helfen bei Dorffesten dafür werden sie auf der Homepage des Ortes erwähnt (mittlerweile ist die Seite aus dem Netz genommen). Ganz selbstlos ist das zivilgesellschaftliche Engagement des Vereins wohl auch nicht. Als „rechte“ Hand des Bürgermeisters genießt man ein gewisses Ansehen, dass man für die Rekrutierung von Mitgliedern oder zur Verbreitung seines stumpfsinnigen Gedankengutes nutzen kann.

Hartwig hat die Konsequenzen gezogen und will nun aus der PDS austreten, sein Bürgermeisteramt, er wurde mit 442 von 442 gültigen Stimmen gewählt, will er jedoch nicht niederlegen.

Dass die Kluft zwischen Rechts und Links nicht so groß sein kann, hat nicht nur die CDU-MV bemerkt und die PDS bestritten. Auch der Parteiwechsel eines gewissen Herrn Wagner ist dafür Indiz.

Traurig, dass das bunte Bild, welches die WM von Deutschland zeichnete, sich nun wieder braun färbt. Im Ausland nimmt man auch solche Aussetzer war.

 
At 8:40 nachm., Blogger hohngelächter said...

na bozic, lieber ne meganull als ne gesichtsfünf wie du dumpflinker penner!

hahaha!

 
At 12:07 vorm., Blogger empty rooms said...

wenigstens bist du so cool, *hohngelächter* nicht zu canceln, so haben alle anderen auch was zu lachen...

 
At 12:07 vorm., Blogger empty rooms said...

Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

 
At 12:54 vorm., Blogger torsun said...

ich finds auch gut, dasz er nicht gelöscht wird. so haben wir hier gleich unseren pausenclown mit bei.

also hohngelächter: weitermachen!

prost,
torsun

 
At 3:50 vorm., Blogger wszysko jedno said...

aber nerven tut er schon

 

Kommentar veröffentlichen

<< Home