Samstag, Januar 19, 2008

Deutschkurs für Ausländer und Antideutsche - Folge I

Scheißdeutsche, heißt das…
Andre sagen auch Krauts oder Kartoffeln oder Schwoab zu ihnen, den Deutschen, die sich nicht mehr volksverhetzen lassen wollen. Bei Spon lese ich: „Baden-Württembergs Bundesratsminister Wolfgang Reinhart (CDU) hatte beklagt, dass "Hasstiraden, die sich gegen alle Deutschen" richteten, nicht sanktioniert werden könnten. Er kündigte daher eine Gesetzesinitiative an, um Schimpfworte wie "Scheiß-Deutscher" im Rahmen des Delikts "Volksverhetzung" bestrafen zu können.

Dabei ist es schon jetzt gar nicht so einfach, die Scheißdeutschen zu beleidigen, richtig zu beleidigen. Deshalb hier eine kleine Gebrauchsanleitung, die vor zwei Jahren ebenfalls bei Spon zu finden war:


"SCHEISSE DEUTCHEN" ist falsches Deutsch, und zwar in mehrfacher Hinsicht: In der knackigen Formel sind nicht weniger als vier Fehler versteckt. "SCHEISSDEUTSCHE" muss es heißen.“

Genauso sehe ich das auch!

Im Übrigen ist der deutsche Herr Reinhart dem Deutschen nur mäßig mächtig. Denn der Duden sieht bei „Fügungen mit dem als "derb" qualifizierten Wort "Scheiß" Zusammenschreibung vor und nennt als Beispiele: Scheißdreck, Scheißhaus, Scheißkerl, Scheißladen, Scheißwetter.
"Scheißdeutsche" also, nicht "Scheiß-Deutsche". Nicht durchkoppeln, kein Bindestrich! Was zusammengehört, soll auch zusammengeschrieben werden.

Weiter bei Spon: „Nun hat nicht jeder, der irgendwo ein Graffito an die Wand sprüht, immer einen Duden zur Hand. Und selbst, wenn: Das Wort "Scheißdeutscher" hätte er darin nicht gefunden. Und selbst, wenn: Es bliebe immer noch die Frage, wie man es richtig dekliniert und wie die Mehrzahl lautet. … Das Elend beginnt schon im Singular. Ein Deutscher fliegt nach Afrika. Dort ist er "der Deutsche". Wo ist plötzlich das "r" abgeblieben? Haben es die afrikanischen Zöllner konfisziert? Nein - der Deutsche hat es sich selbst abgeschnitten, beim Wechsel vom unbestimmten ("ein") zum bestimmten ("der") Substantiv... Wer hätte nicht schon mal gestutzt und sich ratlos am Kopf gekratzt bei dem Versuch, die Deutschen korrekt zu beugen?“

"Ein Däne bleibt Däne, auch wenn es "der Däne" heißt, und ein Franzose bleibt Franzose, auch wenn man von ihm als "der Franzose" spricht. Aber der Deutsche beansprucht zwei Formen im Singular.
Das liegt daran, dass er im Unterschied zu den Herren aller anderen Länder aus einem Adjektiv entstanden ist. Nicht aus Erde wie Adam, nicht aus Lehm wie der Golem, und nicht aus Holz wie Pinocchio, sondern aus einem kleinen Eigenschaftswort. So wie ein Blinder der Blinde heißt, weil er blind ist, und ein Alter der Alte, weil er alt ist, so heißt ein Deutscher der Deutsche, weil er deutsch ist. Während andere Völker nach ihrem Land benannt sind, handelt es sich beim Deutschen um ein substantiviertes Adjektiv. ... Auch die weibliche Form geht auf ein Adjektiv zurück und wird daher wie ein Adjektiv dekliniert."

Und daher ist "der Scheißdeutsche", bzw. "ein Scheißdeutscher" ja auch nicht scheiße, weil er aus Deutschland kommt, sondern weil er deutsch ist, also bestimmte Eigenschaften hat. Will man also einen Deutschen nicht deshalb beleidigen, weil er so deutsch ist, sondern weil er zu Deutschland gehört, und man den Zusammenhang mit der Geschichte dieses Landes herausstellen möchte, dann wird es schon verdammt schwierig.

"Im Plural wird es nicht besser. Was - mit bestimmtem Artikel - "für die Deutschen" gilt, das gilt - unbestimmt - "für Deutsche". Steht vor den Deutschen gar ein Pronomen oder ein Attribut, ist die Verwirrung komplett. Heißt es nun "wir Deutsche" oder "wir Deutschen"? Besteht dieses Problem nur für "einige Deutsche", oder besteht es für "alle Deutschen"?"

Und so wird bei Spon resümiert: "Das Sprühwerk an der Wand bleibt trotzdem falsch. Selbst wenn man "Scheiße" in "Scheiß" verwandelte, das defekte "sch" reparierte und mittels Trompe-l'œil-Technik die Illusion von Zusammenschreibung erzeugte, so wäre da immer noch die störende Endung. Man müsste folglich entweder das "n" übertünchen - oder aber ein "Ihr" davorsetzen, dann würde es wieder richtig."
Sogar sehr richtig.

3 Comments:

At 6:51 nachm., Blogger Martin said...

Jörg Schönbohm schreibt es übrigens in seiner Ansprache an seine Wähler fälschlich auseinander: “Scheiß Deutsche! Das können wir nicht dulden.”

 
At 5:42 nachm., Blogger Johnny said...

Nach der Rechtschreibreform ist eh alles scheissegal oder scheiss-egal.

 
At 11:42 vorm., Blogger Außerirdischer said...

Guter Artikel! Aber es ist schon unterhaltsam, dass bereits im ersten Wort ein Rechtschreibfehler steckt. ;)

 

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