Dienstag, August 21, 2007

Good News: Ich muss nicht in den Knast
Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber das Leben ist ja manchmal arg pfui. Schön also, wenn es auch mal richtig gute Nachrichten gibt. Vor allem, wenn es um 250.000 Euro geht, da will man doch lieber gewinnen als verlieren, vor Gericht, meine ich. Und das ist mir und der Jungle World vor ein paar Wochen gelungen. Man kann auch sagen, unserem sehr geschätzten Anwalt. Die Band "Der Blutharsch" wollte von mir nicht als "Neonazi-Band" bezeichnet werden und eine Unterlassungserklärung unterzeichnet haben oder andernfalls wollte sie bei Wiederholung schlappe 250.000 Euro überwiesen bekommen. Auch eine Ordnungshaft von sechs Monaten (für mich!) schien der Band angemessen. Mir und der Jungle World schienen hingegen weder das eine noch das andre akzeptabel, außerdem hatte ich die Kohle grade nicht auf Tasche und sechs Monate hätten mir die Kollegen auch niemals frei gegeben. So landete die Sache also vor Gericht. Hier ein Artikel dazu aus der Donnerstag erscheinenden Jungle World:

Kritik ja, Schmähung nein
Die österreichische Band »Der Blutharsch« will nicht als »Neonazi-Band« bezeichnet werden und strengte deshalb ein Verfahren gegen die Jungle World an. Das Gericht folgte jedoch der Argumentation der Zeitung. von emil kipling

Der tiefste Punkt der Pfalz (87,3 m) befindet sich nur wenige hundert Meter vom Rhein entfernt auf einem Kartoffelacker in der Ortschaft Frankenthal. Diese geographische Sehenswürdigkeit war es allerdings nicht, was den Rechtsanwalt der Jungle World und ihren Geschäftsführer veranlasste, am 3. Juli eine Reise in die süddeutsche Provinz zu unternehmen.
Anlass war vielmehr ein in Frankenthal stattfindendes Gerichtsverfahren, das die österreichische Band »Der Blutharsch« gegen den Verlag und den Autor Ivo Bozic angestrengt hatte. Letztgenannter hatte in einer Reportage über Nazis in Israel (Jungle World 13/07) die umstrittene Band, deren geplanter Auftritt in Tel Aviv 2004 im letzten Moment abgesagt worden war, als »Neonazi-Band« bezeichnet. Dagegen hatte die Band bzw. ihr einziges öffentlich bekanntes und ständiges Mitglied, Albin Julius, die Abgabe einer Unterlassungserklärung gefordert, was von Verlag und Autor jedoch verweigert wurde.

Albin hatte geltend gemacht, dass er sich seit Jahren immer wieder von dem Vorwurf, extremes Gedankengut zu verbreiten, öffentlich distanziert habe. Bei der Gruppe handle es sich um ein »unpolitisches Projekt«, dessen Musik sich inhaltlich »mit dem frühen 20. Jahrhundert und dementsprechend auch mit beiden Weltkriegen, welche diese Epoche überschatteten«, beschäftige. Die Jungle World blieb bei ihrem Standpunkt. Rechtsanwalt Thomas Moritz argumentierte, dass weder von einer Schmähkritik die Rede sein könne, noch sei die Distanzierung der Band von der rechten Szene angesichts ihrer Selbstdarstellung glaubwürdig.

Das inzwischen rechtskräftig gewordene Urteil hat dieser Argumentation nun in allen Punkten Recht gegeben. Die Band als »Neonazi-Band« zu bezeichnen, sei ein von der Meinungsfreiheit geschütztes Werturteil. Dem Autor wird bestätigt, dass man ihm weder eine Verletzung der presserechtlichen Sorgfaltspflicht noch eine Verletzung der Recherchepflicht unterstellen könne. Außerdem, heißt es im Urteil, »drängt sich für jeden unbedarften Beobachter aufgrund des gesamten Auftretens und Verhaltens der Band ›Der Blutharsch‹ der Verdacht auf, es handele sich um eine Band aus diesem Milieu«. Die Richter verweisen unter anderem auf die Auftritte der Band in »national-sozialistisch kodierten Uniformen unter Verwendung von Zeichen aus dieser Zeit«. Die Musiker standen mit Scheitel, schwarzer Krawatte und weißen Hemden auf der Bühne. In den neunziger Jahren war die »Sig-Rune« (Bild) das Logo der Band, später das Eiserne Kreuz. »Wer sich so nach außen in eine bestimmte politische Richtung präsentiert (…), muss sich einer kritischen und polemischen Würdigung seines öffentlichen Wirkens stellen«, heißt es im Urteil.

Die Musik der Band »Der Blutharsch« wird bei Wikipedia als »Military Pop« bezeichnet, »eine Mischung aus Fragmenten von alten Märschen, Neofolk-Elementen, Industrial-Anleihen und elektronischen Samples«. Albin Julius hat in der Vergangenheit mit der ebenfalls politisch umstrittenen Band »Death in June« kooperiert, sein eigenes Label nennt sich: »Wir kapitulieren niemals!«. Antifaschistische Gruppen haben immer wieder gegen Auftritte der Band protestiert, die Kampagne »Turn it Down!«, die sich gegen Rechtsrock engagiert, hat sich ebenfalls ausführlich mit der Band beschäftigt.

Die Richter schreiben nun in ihrem Urteil: »Das Gericht selbst hat im Internet unter Google recherchiert und ist zu den gleichen Erkenntnissen gelangt wie die Verfügungsbeklagten (die Jungle World, d. A.)«. Der Jungle-World-Autor legt jedoch Wert darauf, seine Erkenntnisse nicht allein auf Google zu stützen.
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So weit der Artikel. Mein persönlicher Dank geht an den Anwalt, unsere mutige Geschäftsführung und an unseren emsigen Praktikanten und die Kollegen und Antifas, die uns bei der Recherche unterstützt haben!

Bildquelle

11 Comments:

At 1:36 nachm., Blogger Jan-Paul said...

Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

 
At 1:59 nachm., Blogger curry said...

Glückwunsch!!!

Übrigens funktioniert der zweite Link ("Hier ein Artikel dazu aus der Donnerstag erscheinenden Jungle....") nicht.

 
At 2:02 nachm., Blogger Paule said...

Freut mich zu hören! Wär' ja auch noch schöner gewesen, wenn das anders ausgegangen wäre ...
Warum haben die eigentlich geklagt? Wegen Kohle und "Linke" ärgern, oder haben die wirklich ein Problem damit, als Neonazis bezeichnet zu werden?

 
At 2:26 nachm., Blogger FARE said...

herzlichen glückwunsch!!! seit ich mal auf nem vortrag von einigen jahren ein livevideo von denen bewundern durfte hab ich mich immer gefragt, warum gerade die immer wieder von vielen in der szene auch verteidigt werden. was machste jetzt mit den gesparten 250.000?

@paule: nö. das hat was mit verkaufzahlen zu tun. die nazis hören die (trotz wischiwaschi dementi) eh, aber die anderen sollen ja auch kaufen, wie die blöden.

gruss
endi

 
At 5:16 nachm., Blogger Ivo Bozic said...

Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

 
At 9:53 vorm., Blogger Franklin D. Rosenfeld said...

Gratuliere! Gab's denn als Entschaedigung noch eine Ladung CDs von dem Pack?

;-)))

 
At 2:58 nachm., Blogger orcival said...

auch meinerseits herzlichen glückwunsch, schön wenn bands, die nach rechts sehr offen sind, sich das auch mal so sagen lassen müssen. das sind doch mal gut eingesetzte ressourcen einer zeitung das nicht auf sich beruhen zu lassen...
hoffe du bist nach alkohol fuer 250.000 oecken nicht zu verkatert...

 
At 12:16 nachm., Blogger Subcomm. Pango said...

tja. da du dich scheinbar nicht wirklich mit "der blutharsch" in dem maße beschäftigt hast, wie es notwendig gewesen wäre und lieber mit einer gruppe herummachst, die schon "Slayer" für schwer naziverdächtig hält ... was soll man noch sagen, immerhin zensierst du hier sogar die kommentare.

 
At 12:36 nachm., Blogger AntiFa said...

Ich bin auch dafür, dass ALLES außer linksgerichteter Musik verboten wird.
Man sollte auch Filme, in denen Naziuniformen geragen werden verbieten.
Alle Bilder, Fotos, Zeitdokumente verbrennen!
Und Naturschutz ist in Deutschland auch = Nazisau, weil auch ein deutscher Baum ein Nazi ist.
Und alle, die nicht exakt wie die ANTIFA sind, sind Nazis.
Deswegen muss die ANTIFA noch heute alles andere verbieten und bekämpfen.
ANTIFA = NORM
alles andere = NAZI

 
At 12:25 vorm., Blogger blubb said...

militrisches auftreten hin oder her
ich denke in einem demokratischen system darf nur danach beurteilt werden was gegen geltendes recht verstösst. und das selbst stefan raab wegen seiner grossen klappe seine anwält schon arg in anspruch nehmen musste so könnt ihr euch nur glücklich schätzen das der richter wohl entweder geschmiert worden ist, einen zuviel hatte oder einfach nur angst vor euch hatte ^^. weder eisernes kreuz noch die sig rune sind gehören in der brd zu verbotenen zeichen. auch wenn ich nicht google bin so kann ich nach meinem eigenen einschätzen sagen das sich einige linke gruppen und zeitungen wohl erstmal vor der eigenen haustür kehren sollten anstatt künstler die einen gewissen selbstanspruch haben zu diffamieren

 
At 11:45 vorm., Blogger hannesfswoboda said...

Ich frage mich aber dennoch, warum du plötzlich meintest, gegen die Jungle World vorgehen zu müssen - wo du Jahre lang mit dem, was du „gefährliches Image“ nennst, dem Affen Zucker gegeben hast...?

Es war einfach mal an der Zeit, „Schluss damit!" zu sagen, da ich ja nie Neonazi war, sein wollte und sein möchte... und die dauernden Verleumdungen gehen mir halt irgendwann auf den Geist. Zumal sich DB ja gewandelt hat.

Zum Prozess, es war ja kein Prozess, sondern nur eine Verhandlung einer Unterlassensklage, möchte ich nicht allzu viel sagen, nur dass ich im Laufe der Argumentationen mit solcher Dummheit konfrontiert wurde, dass es schon weh tut und ich jetzt den Deutschen Charakter besser verstehe. Abgesehen davon war es auch wieder Promotion, und wie wir im „Musicbusiness“ sagen, „There is no bad promotion, there is only promotion".


http://www.nonpop.de/nonpop/index.php?type=special&area=1&p=articles&id=1490&koobi=951419753856d81b3705fbabc037d4aa

 

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